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Ausgangssituation Ausgangssituation waren die Jahre 1989/1990. Das damalige Bild war geprägt von großen Plattenbausiedlungen und sanierungsbedürftigen Innenstädten sowie einem einsetzenden Geburtenrückgang und einer massiven Abwanderung der Bevölkerung. Um sich dieser Problematik entgegenzustellen, wurden verschiedene Sofortmaßnahmen eingeleitet. Dabei standen Modernisierungen und Instandsetzungen von Wohnungen und auch Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung im Vordergrund. Außerdem wurden ergänzende Maßnahmen zur Leerstandsbekämpfung aufgegriffen. Durch die Wendezeit hatte sich eine Sachlage ergeben, die auch von der Politik eine Anpassung erforderte. Die Stadtentwicklungspolitik musste sich von der alten Situation des Bevölkerungswachstums lösen und sich an die neuen Gegebenheiten der Schrumpfungsprozesse anpassen. Situation in Leinefelde (Südstadt) Die Stadt Leinefelde - Worbis, am nordwestlichen Rand von Thüringen gelegen, ist seit vielen Jahren für qualitativ hochwertige Architektur im Umbau von Plattenbauten bekannt. Durch die Ansiedelung großer Baumwollspinnereien nach dem 2. Weltkrieg wurden in Leinefelde viele neue Arbeitsplätze geschaffen. Dies führte ab den 60iger Jahren zu einer relativ großen Stadterweiterung, der Südstadt, mit fast 4000 Neubauwohnungen und ergänzenden Einrichtungen wie beispielsweise einem Einkaufszentrum, Sportanlagen, Kindertagesstätten und Schulen. Nur in wenigen Städten war derr Stadtwandel so eng mit dem Stadtumbau verknüpft wie in Leinefelde. Erst 1969 wurde Leinefelde zur Stadt und dies nach einer sehr kurzen, aber umso intensiveren Entwicklungsphase. 1989 zählte die bestehende Plattenbausiedlung bereits 14.000 Einwohner und noch weitere Bauabschnitte waren vorgesehen. Damit war der Anteil der so genannten Plattenbauwohnungen im gesamten Wohnungsbestand von Leinefelde auf ca. 90% gestiegen. Mit der Wende im Jahr 1989 wurde das sorgfältig geplante Gleichgewicht von Wohnen und Arbeiten schlagartig zerstört. Die Stadtvision zerbrach an der Konkurrenz der Weltmärkte und an der anfälligen wirtschaftlichen Monostruktur. Von diesem Augenblick an stellte sich in Leinefelde die Aufgabe des Stadtumbaus, weniger als Reaktion auf demographische Verschiebungen, sondern vielmehr als notwendige Neuorientierung für ein gescheitertes städtebauliches, wirtschaftliches und gesellschaftliches Experiment. Stadtumbau Leinefelde-WorbisStadtumbau muss eine Führungsaufgabe sein, um im engen Zusammenspiel von Verwaltung, Politik und den vielfältigen Akteuren erfolgreich sein zu können. Der Prozess des Stadtumbaus in Leinfelde war aber auch davon geprägt, dass man von Maßnahme zu Maßnahme mutiger geworden ist, die Grenzen der Machbarkeit wurden schrittweise ausgeweitet. Die Bürger wurden von Anfang an in die planerischen Überlegungen miteinbezogen und es gab vielfältige Angebote zur Mitwirkung. Dennoch dominierten bei den ersten Abrissen Unverständnis und Entsetzen. Aber die dadurch neu geschaffene Lebensqualität war unübersehbar: mehr Grün, mehr Stellplätze und Spielmöglichkeiten. Dies hat im Laufe der Zeit einen Stimmungsumschwung bewirkt, die Skepsis ist der Neugierde gewichen und die Ablehnung dem Wunsch, ebenfalls von den neuen Qualitäten profitieren zu können. Diese Aspekte sind heute ein wesentlicher Teil der Erfolgsgeschichte von Leinefelde. Neben diesen Erfolgen muss sich Leinefelde aber auch weiterhin mit bestimmten Problemen auseinandersetzen. Eines davon sind die rückläufigen Bevölkerungszahlen. Um sich diesem Konflikt zu stellen und die Balance zwischen Land und Stadt zu wahren, schloss sich Leinefelde 2003 mit dem benachbarten Worbis zusammen. Gemeinsam konnten die städtischen Funktionen und auch die Versorgungsaufgaben für den umgebenden ländlichen Raum besser abgesichert werden.
Die
Gemeinde Leinefelde-Worbis, ehemals Stadt der damaligen DDR, hat sich bewusst mit
Hilfe eines integrativen und partizipatorischen Ansatzes mit den
Herausforderungen von Entvölkerung, schrumpfender Wirtschaft und
heruntergekommenen Gebäudeleerständen auseinander gesetzt. Neue
Beschäftigungsmöglichkeiten wurden geschaffen, die städtische Infrastruktur
und das Wohnumfeld wurden signifikant aufgewertet und über 2.500 Wohnungen
wurden mit einem hohen ökologischen Standard umgebaut. Es besteht aus Maßnahmen, um: - Erheblich zur Verbesserung der Lebensbedingungen, der städtischen Infrastruktur und Umwelt beizutragen - Schaffung neuer Beschäftigungsmöglichkeiten zu erzielen - Förderung von bezahlbaren u. attraktiven Wohnräumen in einem abwechslungsreichen und ausgewogenen Wohnungsmarkt zu bekommen - Modernisierungen/Instandsetzungen von Wohnungen und auch Maßnahmen zur Wohnumfeldverbesserung in den Vordergrund zu rücken - Ergänzende Maßnahmen zur Leerstandsbekämpfung aufzugreifen. - Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Stabilität und der Förderung des aktiven gesellschaftlichen Zusammenlebens zu erreichen In den ersten Jahren nach der Wende, zu einem Zeitpunkt, als in den neuen und in den alten Bundesländern kaum jemand bereit war, in den Großwohnsiedlungen mit sinkenden Einwohnerzahlen über das Thema Abriss oder Teilabriss nachzudenken, wurde diese Möglichkeit zusammen mit anderen Maßnahmen in Leinefelde bereits konstruktiv diskutiert. Auf Grundlage des vom Stadtrat verabschiedeten Rahmenplanes konnten seit 1995 die Aufwertungsinvestitionen sowohl der öffentlichen Hand als auch der Wohnungsbaugesellschaft auf die städtebaulich relevanten Bereiche gelenkt werden. Unter Leitung des Bürgermeisters und seines Teams konnte in kontinuierlicher Zusammenarbeit mit einem Planungsbüro ein überzeugendes Konzept für die Revitalisierung der Stadt Leinefelde entwickelt werden. Neben den konzeptionellen Überlegungen zum Umbau der Großwohnsiedlung „Südstadt“ wurde gleichzeitig das Thema der Aufwertung des historischen Stadtkerns bearbeitet. Dies war eine wichtige Voraussetzung dafür, dass in der Bevölkerung für die weitere Konzentration von öffentlichen Investitionen in der Südstadt eine breite Unterstützung gefunden werden konnte. Gleichzeitig wurden große Anstrengungen unternommen, neue Arbeitsplätze in die Stadt zurück zu holen. Im Gegensatz zu vielen anderen ostdeutschen Städten setzte Leinefelde hierbei nicht auf den Abbruch der vorhandenen Strukturen, sondern entschied sich dafür, leer fallende Gewerbeflächen erst einmal „liegen zu lassen“. Diese Entscheidung war richtig, die Politik des langen Atems hat sich ausgezahlt. Unter geschickter Nutzung von Kontakten zu traditionsbewussten Mittelständlern aus dem Westen konnten bis heute 2000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Neben den konzeptionellen Grundlagen der Planung überzeugt auch das gebaute Ergebnis, besonders in der Architekturqualität der realisierten Projekte – sowohl beim Umbau der Geschosswohnungsbauten als auch bei den verschiedensten Neubauten. In diesem Umsetzungsprozess der langfristig angelegten Planung wurden Erfahrungen gemacht und neue Perspektiven eröffnet, die man bundesweit als richtungsweisend bezeichnen darf. Teilrückbauten von 1,5 bis 2 Geschossen sind in Leinefelde zwischenzeitlich Standard. Besonders innovativ ist der Rückbau eines über 200 m langen Baublockes zu acht separaten Stadtvillen, ebenso die Vielfalt der Formen in der Umgestaltung von Erdgeschosszonen. Unter Leitung des engagierten Bürgermeisters, der Stadtentwicklung als zentrale Aufgabe begreift, hat sich Leinefelde mittlerweile eine Vorreiterfunktion nicht nur auf Landes- und Bundesebene erarbeitet sondern darüber hinaus weltweit. Als einen Beweis dafür zählt die Überreichung des World Habitat Award der Vereinten Nationen im Jahre 2007. Seit der Präsentation auf der Expo 2000 kommen Delegationen aus aller Welt, um sich die Erfahrungen aus Leinefelde nutzbar zu machen. Auch dadurch haben die Bewohner ein gutes Selbstbewusstsein und starkes Zugehörigkeitsgefühl zu ihrer Stadt entwickelt. Abschließend kann man sagen, dass die positive Entwicklung der Stadt auf der Grundlage einer schonungslosen Analyse basiert. Sie diente als Grundlage für ein konsensfähiges Konzept, welches auf die Situation zugeschnitten und anschließend mit aller gebotenen Flexibilität und Konsequenz verfolgt wurde. Stehvermögen ist gefragt und sicherlich auch das nötige Quäntchen Glück, dann werden Wunder machbar. |
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